"In dieser Welt wird nichts geschaffen ohne die Leidenschaft"
Hegel
Und es ist immer eine heiße Leidenschaft. Es sind unzählige Hände und ein hohes Maß an Können nötig um aus dem Rohstoff ein fertiges Produkt herzustellen.
Seite 1: Erfahren Sie mehr über Entwerfer und Modelleure, Rohstoffaufbereitung, Drehen, isostatische Pressen, Gießen und Druckguß
Seite 2: Erfahren Sie mehr über Glühbrand, Glasieren, Glattbrand, Bomsen, Schleifen und Sortieren
Wenn Sie wissen wollen, wie zu Böttgers Zeiten Porzellan hergestellt wurde und wie heute in einer modernen Porzellanfirma produziert wird, dann erwartet Sie im Porzellanikon in Selb eine Zeitreise der besonderen Art.
Auf 6000m² Ausstellungsfläche erleben Sie, von den Zeiten der Manufaktur im 18. Jahrhundert bis heute, den Herstellungsablauf des weißen, undekorierten Porzellans.
Der Besucher verfolgt den Weg des "Weißen Goldes" vom Modellieren und Formengießen, dann zum Drehen und Gießen bis hin zum zweimaligen Brennen. Aufwändig gestaltete Inszenierungen, wie der Gang durch einen Brennofen mit seinen typischen Geräuschen und der enormen Temperatur erwarten den Besucher. Originalgetreue Arbeitsplätze aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart spiegeln die Arbeitsatmosphäre in den Manufakturen und Fabriken in Europa wider.
Dass der Rundgang stets spannend, attraktiv und erlebnisreich für den Besucher bleibt, dafür sorgt das originalgetreu inszenierte Ambiente in den denkmalgeschützten Räumen, als auch die Schauvorführungen an historischen Arbeitsplätzen.
Dem Besucher bietet sich ein modernes Museum mit dem Flair einer alten, 1866 gegründeten Porzellanfabrik.
Einzigartig, die Möglichkeit 3 Museen zum Thema Porzellan unter einem Dach zu besichtigen. Anlässlich des 125. Jubiläumsjahres eröffnete hier im September 2004 das Rosenthal Museum seine Pforten und ein Jahr später das Europäische Museum für Technische Keramik. Wechselnde Ausstellungen von verschiedenen Künstlern und Designern runden den Besuch ab.
Porzellanikon in Selb
95100 Selb
Werner-Schürer-Platz 1
Telefon (0 92 87)91 80 00
Telefax (0 92 87)91 80030
E-Mail
www.porzellanikon.org
Künstler und Entwerfer arbeiten in einer von der Fabrikation unabhängigen Entwicklungsabteilung und arbeiten bei der Realisierung ihrer Entwürfe und Ideen, vom ersten Modell bis zum fertig dekorierten Service oder bis zu den letzten Formen einer neuen Serie, mit. Grundlage des Entwurfs und Vorlage für alle weiteren Produktionsschritte ist die Zeichnung. Ausgehend von dieser Zeichnung wird ein Ton- bzw. Gipsmodell angefertigt. Bei der Anfertigung des Modells muss der Entwerfer die spätere Schwindung (ca. 20%), also das Kleinerwerden des Porzellanstücks, beachten. Das heißt, das Modell muss um ca. diese 20% größer angefertigt werden. Die sogenannte "Mutterform" wird vom Modelleur bzw. Modelleinrichter anschließend aus Kunststoff oder Metall gegossen. Diese "Mutterform" dient zur späteren Anfertigung der Arbeitsformen aus Gips und erst mit diesen Gipsformen können Porzellanstücke geformt oder gegossen werden.
Im Sprachgebrauch der Porzelliner ein gängiger Begriff "Masse". Er bezeichnet das plastische, flüssige oder pulverförmige Gemenge der einzelnen Rohstoffe. Unterschieden wird in Drehmasse (plastisch), Gießmasse (flüssig) und Pressmasse (Granulate). Für die Herstellung der flüssigen Gießmasse (vom Porzelliner Schlicker genannt) werden die Rohstoffe in großen Trommelmühlen und unter Zusatz von Wasser und Mahlkugeln fein gemahlen und gemischt. Anschließend läuft die flüssige Masse über ein Magnetband, das alle Eisenteile zurückhält, denn diese würden auf dem fertig gebrannten Stück als braune Flecken sichtbar. Ein sehr feinmaschiges Schüttelsieb hält weitere Verunreinigungen zurück. Für die plastische Drehmasse wird mittels einer hydraulischen Filterpresse der größte Teil des Wassers und mit einer Vakuumpresse die Luft entzogen. Erst jetzt ist die Masse formbar. Weitere Informationen:
Kleine Materialkunde
Das Drehen von Porzellanteilen wird in zwei Varianten unterteilt. Zum einem in Überformen und zum anderen das Einformen.
Beim Überformen wird die Drehmasse von Hand oder mit beheizten Rollwerkzeugen über eine Gipsform (z.B. für Teller, Tortenplatten oder nicht zu tiefe Schüsseln) die plastische Masse gearbeitet.
Separat gegossen, werden die Tassenhenkel nach dem Trocknen und Entfernen der Gießgrate angarniert.
Jahrzehntelang wurden rotationssymetrische Flachteile mit dieser Methode hergestellt. Fast vollständig ist mittlerweile dieses Verfahren vom Isostatischen Pressverfahren abgelöst. Dazu im kommenden Abschnitt mehr.
Beim Isostatischen Pressverfahren von Tellern, Platten und unkomplizierten Schüsseln werden winzig, kleine Kügelchen als "Porzellanmasse" verwendet. Das Granulat wird in die Preßform eingefüllt und unter hohem Druck (270 bis 300 bar) verdichtet. Zweigeteilt, in Ober- und Unterstempel, ist das notwendige Werkzeug. Der Oberstempel ist starr und formt die Artikeloberseite. Der Unterstempel, mit einer elastischen Membrane versehen, formt die Unterseite des Artikels. Beide Stempel ergeben einen geschlossenen Füllraum, indem mittels Druckluft das Granulat eingefüllt und bedingt durch den Druck gleichmäßig verdichtet. Die Artikel müssen lediglich am Rand (Preßgrat) verputzt werden. Weiterer Qualitätsvorteil ist: Die Teller und Platten sind gleichmäßiger gegenüber herkömmlicher Herstellungsverfahren.
Alle übrigen Porzellanteile, z.B. Kannen, Henkel, Schnaupen, Dosen, ovale Platten und Figurenteile, werden in Gipsformen gegossen.
Dazu verwendet man eine Porzellanmasse, die durch Zusatz von wenig Wasser und anderen Verflüssigungsmitteln gießfähig gemacht wurde.
Die zwei- oder mehrteiligen Formen saugen, wenn sie mit flüssiger Masse, dem Schlicker ausgefüllt sind, das Wasser an, so das an der Gipswand eine gleichmäßige, feste Masseschicht, "der Scherben" entsteht.
Die restliche noch flüssige Porzellanmasse, wird wieder aus den Formen herausgegossen.
Bei diesem Gießverfahren zur Herstellung von eckigen und ovalen Platten wird der flüssige Porzellanschlicker in eine zweigeteilte, poröse Kunstoffform gepumpt und unter Druck gesetzt. Dadurch entweicht das Wasser durch die offenen Porenkanäle der Kunstoffform, während der zurückgehaltene Feststoff, die eigentliche Porzellanmasse, in der Form zurückbleibt und den gewünschten Artikel bildet.
Danach wird die Form automatisch geöffnet, und der Artikel kann mit einem Saugheber herausgenommen werden.