Wenn Sie wissen wollen, wie zu Böttgers Zeiten Porzellan hergestellt wurde und wie heute in einer modernen Porzellanfirma produziert wird, dann erwartet Sie im Porzellanikon in Selb eine Zeitreise der besonderen Art.
Auf 6000m² Ausstellungsfläche erleben Sie, von den Zeiten der Manufaktur im 18. Jahrhundert bis heute, den Herstellungsablauf des weißen, undekorierten Porzellans.
Der Besucher verfolgt den Weg des "Weißen Goldes" vom Modellieren und Formengießen, dann zum Drehen und Gießen bis hin zum zweimaligen Brennen. Aufwändig gestaltete Inszenierungen, wie der Gang durch einen Brennofen mit seinen typischen Geräuschen und der enormen Temperatur erwarten den Besucher. Originalgetreue Arbeitsplätze aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart spiegeln die Arbeitsatmosphäre in den Manufakturen und Fabriken in Europa wider.
Dass der Rundgang stets spannend, attraktiv und erlebnisreich für den Besucher bleibt, dafür sorgt das originalgetreu inszenierte Ambiente in den denkmalge- schützten Räumen, als auch die Schauvorführungen an historischen Arbeitsplätzen.
Dem Besucher bietet sich ein modernes Museum mit dem Flair einer alten, 1866 gegründeten Porzellanfabrik.
Einzigartig, die Möglichkeit 3 Museen zum Thema Porzellan unter einem Dach zu besichtigen. Anlässlich des 125. Jubiläumsjahres eröffnete hier im September 2004 das Rosenthal Museum seine Pforten und ein Jahr später das Europäische Museum für Technische Keramik. Wechselnde Ausstellungen von verschiedenen Künstlern und Designern runden den Besuch ab.
Porzellanikon in Selb
95100 Selb
Werner-Schürer-Platz 1
Telefon (0 92 87)91 80 00
Telefax (0 92 87)91 80030
E-Mail
www.porzellanikon.org
Nachdem das noch rohe Porzellan vorgetrocknet und bei ca. 1.000°C zum ersten Mal gebrannt, verglüht ist, ist es nicht mehr wasserlöslich, aber noch porös und wasseraufnahmefähig.
Die neueste Entwicklung auf dem Gebiet der Brenntechnik sowohl für den Glühbrand als auch für den nachfolgenden Glattbrand ist der sogenannte Brenntisch. Bei dieser jüngsten Schnellbrandofengeneration wird das Porzellan auf Brenntischen aus nicht brennbarem Siliziumkarbid durch das offene Feuer gefahren. Kapsel und Stapelaufbau entfallen.
Die Feuerführung wird besser genutzt und die Brennzeit auf 4,5 Stunden reduziert, was den Energieverbrauch von Edelgas ganz erheblich senkt. Im alten Tunnelofenverfahren dauerte die Brennzeit 36-40 Stunden.
Das verglühte Porzellan wird mit der Firmenmarke gestempelt und glasiert. Von Standringen und Tassenrändern wird die Glasur sofort wieder mit nassen Schwämmen entfernt, damit das Porzellan während des zweiten Brandes nicht festklebt.
Die Glasur selbst besteht aus Quarz, Feldspat, wenig Kaolin und einem hohen Anteil verschiedener Flußmittel. Im Glattbrand schmilzt sie bevor der Scherben "dicht" wird. Dadurch entsteht eine sehr innige Verbindung von Porzellanscherben und Glasur.
Die sehr quarzhaltige und dadurch nach dem Brand besonders harte Glasur wird durch Eintauchen in das Glasurbad von Hand oder maschinell auf das Porzellan gebracht. Beim Glasieren per Hand wird durch Schwenken und Drehen die Glasur gleichmäßig durch den Arbeiter auf dem Artikel verteilt. Dies erfordert ein hohes Wissen und viel Erfahrung dieser Technik. Beim maschinellen Glasieren wird die Glasur durch eintauchen und gleichzeitiges gleichmäßiges Drehen auf den Scherben aufgetragen.
Bei besonders empfindlichen Stücken wird die Glasur in einem speziellen Spritzverfahren aufgetragen.
Im Glatt- oder Scharffeuer-Brand bei einer Temperatur bis ca. 1400°C wird die Masse kleiner und wasserdicht.
Sie sintert zu einem harten, feinen, durchscheinenden, neuen Werkstoff, dem Porzellan zusammen. Dabei macht sie eine chemische Veränderung und eine Formveränderung durch, die bei jedem Stück unterschiedlich verläuft. Nach diesem Glattbrand ist das Porzellan 20% kleiner als bei der Ausformung. Es ist nicht möglich, zwei völlig gleiche Porzellanstücke zu brennen. Auch der Gattbrand erfolgt heute in einem Brandtischofen.
Um während der Brände Verformungen des weichen, weißglühenden Porzellans möglichst gering zu halten, werden viele Figuren auf sogenannten Bomsen gebrannt. Bomsen sind Stützen, die aus der gleichen Porzellanmasse bestehen müssen, damit sie den Schwindungsprozess während der Brände mitmachen können. Ist ein Porzellanstück fertig gebrannt, ist die Bomse nicht mehr verwendbar.
Das undekorierte Porzellan, auch fertige Weißware genannt, wird von fachkundigen Frauen und Männern sorgfältig sortiert. Gute Augen und viel Erfahrung gehören dazu, um fehlerhafte Stücke auszusortieren.
Die typischen Materialeigenschaften und der keramische Fertigungsprozess, besonders der Brennprozess führen grundsätzlich zu Toleranzen und geringfügigen Abweichungen zwischen den einzelnen Stücken. Die Sortierarbeit trennt peinlich genau nach Graden solcher Abweichungen und scheidet Stücke mit Fehlern aus.